Windows Server in Unternehmen

Ich nehme eine Tüte Nerven

Von Thorsten Geppert am 09.04.2011, geändert 03.06.2011 (5242 Aufrufe).

Wer mich kennt weiß, ich mag weder Windows im Workstation- noch Windows im Server-Bereich. Das mögen andere anders sehen, aber sie kosten mehr Zeit als die ganzen unixoiden Betriebssysteme zusammen (FreeBSD, Linux und Mac OS X), und das auch auf die Menge der Installationen gesehen (drei Windows-Server, um die fünfzig unixoiden Maschinen). Warum ist das so?

Nun, ich fand und finde, dass das einzige brauchbare Windows Windows NT 4 war, ohne die zahlreichen Assistenten, mit halbwegs vernünftigen Tools für das tägliche Arbeiten und der doch recht hohen Geschwindigkeit. Dennoch wäre ich auch da niemals auf die Idee gekommen, es wirklich bei Servern einzusetzen.

Es kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem wir auf Mac OS X und Linux umgestiegen sind, zumindest auf den Workstations. Auf den Servern läuft fast ausschließlich FreeBSD. Zu Beginn lief das natürlich nicht reibungslos, mittlerweile aber recht gut, geht man mal von schwer zu findenden Fehlern aus, wie wir einen seit letzter Woche haben, der das Netzwerk lahm legt, aber vermutlich beseitigt, aber nicht gefunden ist.

Nun, wie beinahe jedes Unternehmen sind wir auf Windows-Software angewiesen. Die Buchhaltung läuft damit (und wenn man sich mal die MySQL-Queries ansieht, die die abschießen, sollte man schnellst möglich die Software wechseln), alte, selbst geschriebene Software, aber auch andere eingekaufte Software. Deshalb entschieden wir uns für Citrix, welches genau diese Problematik lösen sollte. Dazu ein Windows Server 2008 R2, zuvor war es noch ein 2003er-Server. So können wir die Windows-Programm-Fenster auf Linux, FreeBSD und Mac OS X einfach exportieren. War der Client für Mac OS X anfangs noch katastrophal, ist er jetzt der Linux-Version ganz gut überlegen.

Also: halten wir fest: Windows Server 1 = Windows Server 2008 R2 SP1 mit Citrix (XenApp 6)

Da unsere alte CRM-Software eingestellt wurde, entwickelten wir selbst eine neue. Zur Zeit läuft sie recht gut unter Linux und FreeBSD. Wir müssen ab und an aber auf alte Daten zugreifen. Jetzt ist es aber so, dass diese Software tatsächlich nur unter Windows 2000 Server funktioniert. Weder unter 2003 noch 2008 war sie zum Funktionieren zu überreden. Unsere eigens entwickelte Software lief bisher problemlos unter Ubuntu 6.04, 8.04 und jetzt unter 10.04.

Also: halten wir fest: Windows Server 2 = Windows Server 2000 mit der alten CRM-Software

Awaya. Easy Management. Wie eine so große Firma sich trauen kann, eine solch beschissene Software den Kunden mitzuliefern, wird auf ewig ein Geheimnis bleiben. Ich habe bereits in meinem Leben viele schlechte und unbedienbare Software gesehen, die übertrifft alles aber bei weitem. Nun läuft das Progrämmchen (eine in Java und HTML gefrickelte Software (ja, Java, nicht Javascript), die nur im IE unter Windows funktioniert, aber als Webprogramm angepriesen wird?!) aber auch nicht unter Windows Server 2008 (R2), sondern benötigt noch ein Windows Server 2003 oder, alternativ, ein Windows XP Professional sowie einen Rechner, der mindestens drei Gigahertz und vier Gigabyte RAM hat (die Software dient dazu, Telefonnumern zu ändern und die Anlage ein wenig zu konfigurieren) - selbst auf einer solchen Maschine ist der Mist aber kaum nutzbar. Manchmal funktioniert die Software auch nicht und verweigert ihren Dienst, bis sie am nächsten Tag wieder geht. Ändert sich die MAC, muss die Software neu lizensiert werden. Sie benötigt auch einen Dongle. Aber auch, als wir noch einen Windows 2003 Server mit Citrix hatten, konnte die Awaya Easy Management Software darauf nicht installiert werden, da deren Apache nur Port 80 nutzen konnte, weil die Software sonst nicht geht. Darauf lief aber bereits der IIS mit dem Citrix-Kram, den uns der Techniker dann einfach bei der Installation mal abgeschossen hatte.

Also: halten wir fest: Windows Server 3 = Windows Server 2003 mit Awaya Easy Management

Welche Probleme gibt es jetzt? Zum einen machen wir recht wenig mit der ganzen Windows-Software. Das bedeutet, dass unser aktueller Server, der Citrix macht, locker die anderen paar Sachen auch erledigen könnte. Das geht aber nicht, da die Software, die wir benötigen, darauf nicht lauffähig ist oder sich auch mit anderer Software beißt. Man könnte jetzt behaupten, dass das kein Windows-Problem, sondern ein Software-Problem ist, aber auch im Kompatibilitätsmodus von Windows Server 2008 R2 funktioniert das alles nicht (macht diese Modus eigentlich überhaupt was?).

Jetzt ist es natürlich schwer, die Betriebssysteme alle vernünftig zu aktualisieren, vor allem, wenn sie seitens Microsoft nicht mehr unterstützt und mit Aktualisierungen versorgt werden, Viren-Scanner zu finden, die auf den Maschinen laufen und, ganz schwierig, sich mit der Lizensierung zu beschäftigen. Die ist bei Windows äußerst schwierig.

Ein weiteres Problem war das Update auf Windows Server 2008 R2 SP1. Danach weigerte sich Citrix, den Lizenzserver zu finden (der aber lief). Das ganze Citrix inklusivie aller Hotfixes neu eingespielt, brachte auch keine Hilfe. Danach das SP1 wieder deinstalliert, dann ging der Remote-Desktop nicht mehr. Im Internet recherchiert: ja, das Problem haben einige, eine Lösung, die funktioniert, gab es aber nicht. Also: Neuinstallation. Da das bereits das zweite Mal war, dass ein Windows-Update Citrix zerschoss (meinem Kollegen war das vor zwei Jahren auf Windows Server 2003 passiert), beschloss ich: Windows wird nur noch virtuell betrieben. Da kann man vorher einfach Snapshots machen und auch die ganze virtuelle Maschine wegsichern.

Spannend ist auch Citrix. Ich hatte flott eine VM fertig gemacht, die zumindest die Buchhaltung wieder ausführen konnte. Die Maschine habe ich dann auf einem Mac laufen lassen, um auf meiner FreeBSD-Workstation den Rest zu konfigurieren. Ich habe alle alten Apps von dem alten Citrix importiert, mich aber immer wieder gewundert, warum die verschwanden. Die Anwendungen werden tatsächlich auf den Servernamen, den ich ja ändern musste, angewandt, nicht auf den Farmnamen. Das habe ich natürlich erst nach dem dritten Versuch festgestellt. Auch spannend ist, dass sich nicht alle Pakete von Citrix deinstallieren liesen "Ja, da stimmt was nicht mit mir, ich kann mich nicht deinstallieren.".

Auch die Windows-Konfiguration läßt sich nicht einfach übertragen. Während ich auf FreeBSD einfach /etc und /usr/local/etc auf den neuen Server kopiere, muss ich entweder umständlich in der Windows-Registry herumfummeln oder auch auf die Übertragung verzichten und alles neu machen.

Dann noch diese wunderbaren Fehlermeldungen seitens Windows, wie "Es ist ein unbekannter Fehler aufgetreten. Starten Sie Windows neu und wenden Sie sich an den Administrator, falls der Fehler weiter auftritt.". Hallo? McFly? Jemand zu Hause?

Alle Tools lassen sich unterschiedlich bedienen oder sind unbedienbar, beispielsweise das Erstellen von Benutzern auf der lokalen Maschine ohne ADS. Kopieren von Benutzern? Geht nicht. Glücklicherweise kann man das Erstellen von Benutzern skripten. Allerdings wird der /passwordchg:no Flag nicht beachtet.

Windows ist ein Konglomerat aus alter zusammengeflickter Schrottsoftware. Ich verstehe weder die Leute noch die Firmen, die das gut finden. Man schießt sich damit regelmäßig ins Knie, denn schon alleine die hundert verschiedenen Versionen und Lizenzmodelle können schneller zu juristischen Schwierigkeiten führen, als man sich ausdenken mag. Für Problemlösungen muss man teilweise (laut Foren) tief in der Registrierungsdatenbank fummeln und man weiß nie, ob ein Update mehr zerstört, als es heilt. Und ein solch benutzerunfreundliches System haben etliche Leute installiert.

Auch Dinge wie nicht vergrößerbare Dialoge oder riesige Listen (Druckerverwaltung, lokale Benutzerverwaltung) sind ein gutes Beispiel der schlechten Bedienbarkeit.

Windows hat weder auf Workstations noch auf Servern was zu suchen. Leute, nehmt doch was richtiges.

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