Die Tür

Eine Filmkritik

Von Thorsten Geppert am 02.03.2011, geändert 02.03.2011 (4913 Aufrufe).

Ich hasse den deutschen Film. Obgleich ich finde, dass wir eine Stufe unter den Franzosen und eine Stufe über den Japanern stehen, kann ich nur sagen: Wenn wir eins nicht können, ist es "schauspielern". Doch ab und an drinkt dann doch etwas an die Öffentlichkeit, das sehenswert ist. Meiner Meinung nach klingt die Geschichte von "Die Tür" aus dem Jahre 2009 basiernd auf dem Buch "Die Damalstür" vom Autor "Akif Pirinçci" recht nett.

Wir schreiben das Jahr 2008. Während David Andernach, gespielt von Mads Mikkelsen, im Haus gegenüber die Nachbarin - Zitat - vögelt, kommt seine mit offenen Schnürsenkeln am Pool spielende Tochter ertrinkend ums Leben. Sie bleibt mit einem Schnürsenkel an einer Art Absaugstumpfen hängen. Tief unten im Wasser. Man muss wissen, dass sie mit dem Kopf zuvor auf der Steinplatte am Pool aufgekommen ist, sich ihr kleiner Körper im Auftrieb nach oben befindet und sie gerade mitten im recht geräumigen Pool hängt. Eine absolut dämlich unglaubhaftige Todesart für den, der mal schwimmen war. So kann es sich nicht wirklich zutragen. Hier hätten der Regisseur die Ohnmacht des Kindes ausnutzen sollen, die zum Ertrinken hätte führen können.

Nun kommt der Vater, sichtlich erleichtert, von der Nachbarin nach Hause. Hat er ja die Aufsichtspflicht verletzt, merkt er schnell, dass etwas nicht stimmt, rennt in den Garten und springt in den Pool, letztlich, um festzustellen, dass seine Tochter das Zeitliche gesegnet hat. Es kommt nach lapidaren Befreiungsversuchen nur noch zu einer heftigen und teils längeren Umarmung - unter Wasser.

Hätte Pantoffelkino den Film nicht empfohlen, hätte ich bereits hier abgeschaltet. Vielleicht wird die Geschichte ja doch noch gut.

Während die wenigen Schauspieler versuchen, zu schauspielern, versuche ich, ihnen die Rollen abzukaufen, was mir sichtlich schwer fällt. Die Schauspieler taugen alle nichts. Sie spielen unglaubwürdig, man kann sich mit niemandem identifizieren, die Sprache ist schlimm, wirkt teilweise abgelesen und stundenlang vorgedacht. Selbst Größen wie Jessica Schwarz oder Heike Makatsch - die übrigens nur eine kurze Gastrolle, die auch noch ziemlich daneben ist, inne hat - kommen gut rüber.

Die Geschichte zieht sich, die Leute rauchen sich halb tot.

Die Ehe ist zerüttet, die Frau trennt sich, ist, zu Recht, sauer auf ihren Mann und alle versuchen, den Tod des Kindes zu verarbeiten. Oder auch nicht. Auf die Psyche wird zu wenig bis überhaupt nicht eingegangen und dass es einem schlecht geht, muss man nicht durch überstarken Nikotinkonsum darstellen. Sogar beim "vögeln" wird hemmungslos geraucht.

Die Spannung steigt, als David einen dunklen Gang findet, der in einer hell leuchtenden Tür endet. Schnell begreift er, dass er fünf Jahre in der Zeit zurückgereist ist und kann, nachdem er angefahren wurde, doch noch seine Tochter retten. Im Haus trifft er auf sein Ebenbild, das gerade nach Hause gekommen ist. Es kommt zu einem bestialischen Kampf, in dem David aus der Zukunft sein jetziges Selbst tötet. Die Tochter bekommt es mehr oder minder mit, akzeptiert den "neuen" David zuerst nicht als Vater, was sich aber bald ändert, weil sie den neuen lieber mag.

Unterdessen verscharrt David sein "Alter Ego" im Garten. Mehr oder minder nicht tief genug, so dass die Leiche immer und immer wieder auftaucht.

Es wird eine Geburtstagsfeier für David geschmissen, es werden weitere Menschen getötet und David erfährt, dass er nicht der Einzige ist, der durch die Tür kam. Ab hier will ich nicht vorgreifen, denn es endet im wilden Schwachsinn.

Obgleich ich mir vorstellen kann, dass das Buch zu dem Film gut sein kann, denn die Geschichte ist an sich gut und man kann eine Menge herausholen, wirkt der Film durch die Regie und die mißerablen Schauspielerkünste nicht gut. Auf einer Punkteskala von 1 bis 10 (10 = bestes Ergebnis) würde ich dem Film eine solide 4,5 geben.

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