Andernach - Vandalismus [Update 12 - 09.02.2013]

Warum Andernach Vandalnach heißen sollte

Von Thorsten Geppert am 09.10.2010, geändert 09.02.2013 (8383 Aufrufe).

Inhaltsverzeichnis

  1. Brief
  2. Bilder
  3. Updates
    1. Update 1 - 19.10.2010
    2. Update 2 - 23.10.2010
    3. Update 3 - 27.10.2010
    4. Update 4 - 31.10.2010
    5. Update 5 - 09.11.2010
    6. Update 6 - 10.12.2010
    7. Update 7 - 20.12.2010
    8. Update 8 - 05.01.2011
    9. Update 9 - 02.02.2011
    10. Update 10 - 12.02.2011
    11. Update 11 - 12.08.2012
    12. Update 12 - 09.02.2013

Brief

Liebe Polizei, sehr geehrter Herr Hütten, sehr geehrter Herr Nonn, sehr geehrter Leser,

ich wohne seit nunmehr zwei Jahren im Kirchgäßchen 8 in Andernach und bin über die abendlichen Zustände an nahezu allen Wochenenden hier sehr schockiert. Mehrfach habe ich bereits über den Verkauf meines kleinen Hauses nachgedacht, da der Zustand meiner Meinung nach unhaltbar ist und sich von selbst wohl nicht bessert. Deshalb schreibe ich Ihnen.

Gestern war es wieder so weit. Irgendeine Party an der Kirche, vermutlich das Fußballspiel Deutschland gegen Türkei, war für viele Grund zum Anlass, mal so richtig die Sau herauszulassen. Das äußerte sich darin, dass als erstes wieder einmal – darauf komme ich gleich zu sprechen – Briefkästen von meinen Nachbarn und mir eingeschlagen wurden (gegen 23:00 Uhr) – ich möchte hier natürlich nur für mich selbst sprechen, da dieses Schreiben nicht mit den Nachbarn abgeklärt ist -, etliche Glasflaschen vor meiner Haustür und in der Straße zerschlagen wurden und an die Hauswände mehrfach urniert wurde. Ich rief die Polizei.

Ein typischer Einzelfall. Nein. Es war gestern das achte Mal (wie Eingangs erwähnt, wohne ich erst seit zwei Jahren hier), dass ich meinen Briefkasten “ausbeulen” dürfte (was mitunter ein schwieriges Unterfangen ist, und: Briefkasten kann man das Ding nicht mehr nennen). An vielen Wochenenden herrscht hier abendlich der Vandalismus vor. Glasflaschen gehen fast jeden Freitag und Samstag ab 21:00 Uhr zu Bruch, nicht kaputte Bier- und Whisky-Flaschen stehen an den engen Straßenrändern oder auf den Fensterbänken der Nachbarn. Müll liegt überall rum, selbst benutzte Tampons habe ich bereits herumliegen sehen. Ein widerliches Bild.

Nun ist es so, dass ich seit einiger Zeit um mein Haus und mich abends Angst habe. Ich lasse die Rolladen auf, das Licht die ganze Nacht in der Küche, im Wohnzimmer und im Flur brennen, damit jemand weiß, dass ich da bin und mir nicht auch noch Fenster und Tür einschlägt. Das kann es ja nicht sein. Funktioniert auch nur eingeschränkt, der Briefkasten wird dennoch regelmäßig eingeschlagen.

Desweiteren sollte man wissen, dass hier in der Straße doch eine gewisse Anzahl von kleinen Kindern wohnt, die dann in den Scherbenhaufen spielen dürfen. Auch das finde ich unverantwortlich.

Gibt es etwas, das man, Sie, die Polizei, Sie, die Bürgermeister oder ich tun können, um die Situation nachhaltig zu verbessern? Oder sollte ich doch weiter über einen Aus- und Wegzug nachdenken?

Folgend noch ein paar Bilder.

Mit freundlichen Grüßen, Thorsten Geppert

Bilder

Updates

Update 1 - 19.10.2010

Die erste Rückmeldung ist da. Ich habe sie mal im Bild links verlinkt. Hier spricht Oberbürgermeister Achim Hütten anfänglich ein wenig oberflächlich, versucht, Entschuldigungen dafür zu finden. Ich bin mir, auch als Antialkoholiker, durchaus der Wirkung des Alkohols bei Menschen, die zu Übertreibungen neigen, sehr bewußt. Schade, dass auf diese "wissenschaftlichen Untersuchungen" nicht weiter in Form von Quellen und Referenzen eingegangen wird, sie stehen so haltlos im Raum und damit auch in auf einer Linie mit den gegensätzlichen Sprüchen "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier" und "Der Mensch ist an seine Umgebung extrem anpassbar". Was allerdings mit "Zeitgeschehen" genau gemeint ist, vermag ich nicht zu sagen. Ist hier gemeint, dass es zu unserer heutigen Umwelt dazu gehört und es damit zur Normalität wird, man sich damit also erstmal abfinden muss? Oder soll es bedeuten, dass sowas immer mal wieder vorkommen kann?

Der zweite Teil des Briefs gefällt mir um Längen besser, nämlich die Bestrebung, eine Lösung zu finden. Ich hoffe darauf, dass es sich hier nicht nur um beruhigendes Geplänkel handelt, gehe aber eigentlich nicht davon aus. Als Lösungsvorschläge gäbe es verschiedene, über die auch ich zur Diskussion rufen würde. Zum einen kennt man Gewaltausschreitungen bei Fußballspielen oder Trinkgelagen. Hier wäre eine erhöte Aufmerksamkeit der Polizei sinnvoll. Und wenn sie nur alle fünfzehn Minuten einmal im Kreis fährt. Das würde vielleicht ein wenig helfen. Dass das nicht die Lösung ist, ist mir bewusst. Des weiteren wären Feierverbote nach solchen Ausschreitungen diskutabel. Wie gut sich das umsetzen ließe, sei mal dahingestellt. Außerdem würde das ja alle betreffen, auch die, die nicht ausschreiten. Die Lösung, die ich anstreben würde, wäre die Verlagerung an einen anderen, neutralen Ort. Ein wenig abseits, wo laute Musik und Gegröle die Nachbarn nicht stört und damit Vandalismus durch fehlende Anreize weniger stattfinden kann.

Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein. Ich bin jedenfalls überrascht und erfreut zu gleich, dass ich tatsächlich eine ernste Antwort bekommen habe. Vielen Dank dafür. Damit fehlen noch zwei weitere Antwortschreiben, auf die ich noch warten werde (Polizei und Bürgermeister).

Update 2 - 23.10.2010

Gestern wurde der Briefkasten wieder eingedrückt. Da hier heute Abend teilweise wieder Parties stattfinden, habe ich ihn vorsorglich bis Montag abgemacht. Ich bin nochmal ein wenig durch die Nachbarschaft gezogen und habe noch mehr irgendwann einmal eingeschlagene Briefkästen gesehen. Wann hat das endlich ein Ende? Auch stand wieder eine leere Bierflasche heute morgen bei den schräg gegenüberliegenden Nachbarn auf der Fensterbank.

Update 3 - 27.10.2010

Hier ist die zweite Rückmeldung, diesmal von Bürgermeister Josef Nonn.

Ich finde den Brief sympatisch, viel mehr kann ich leider noch nicht sagen, da es jetzt erst los geht. Josef Nonn klingt aber hilfbereit und nett.

Jetzt gilt es: abwarten. Eine Rückmeldung der Polizei steht noch aus.

Update 4 - 31.10.2010

Josef Nonn (CDU) wurde zu meiner allgemeinen Verwunderung jetzt verabschiedet. Sein Nachfolger: Claus Peitz, ebenfalls CDU und Rechtsanwalt. Ich, als Mitglied der Piratenpartei und des CCC, habe da natürlich meine Bedenken, die hoffentlich wiederlegt werden. Zum Einen denke ich natürlich "Muss ich an die Verbesserung Andernachs, vor allem in Bezug auf Vandalismus, glauben?" und zum Zweiten "Wird es bald 'Tatort Andernach' auf RTL2 geben?". Vielleicht wird ja auch einfach diese Seite zensiert oder mit einem Stopp-Schild belegt, denn: was man nicht sieht, existiert auch nicht.

Nein, Scherz beiseite. Ich bin nochmal durch Andernach gestreift und eingeschlagene Briefkästen, teilweise auch Scheiben, zieren das Bild der doch recht alten und interessanten Stadt. Es scheint eine Art mafiöse Organisation am Werke zu sein, die hier ihr Unwesen treibt. Das kann und das darf so nicht bleiben! Herr Peitz: Sie sind dran. Zeigen Sie uns, wie man die Probleme in den Griff bekommt. Gerne stehe ich auch zu persönlichen Gesprächen bereit. Meine Kontaktdaten finden Sie auf dieser Website.

Update 5 - 09.11.2010

Nur als kurzer Zwischenstand, da jetzt ein Monat vorüber ist: noch hat sich leider nichts getan. Randale sind immer noch Wochenends da, mein Briefkasten wird jedes Wochenende abmontiert. Wir dürfen weiter gespannt sein.

Update 6 - 10.12.2010

Und wieder zog ein Monat in's Land. Keine Änderung, keine Information. Langsam runzele ich die Stirn.

Update 7 - 20.12.2010

So sieht übrigens ein eingeschlagener Briefkasten hier in der Gegend aus. Und niemand tut was dagegen. Man sieht, wie stark die Gewalt hier gegen Eigentum ist, wie stark die Gewalt wohl gegen Menschen ist? Ich kann ein Lied von meinem psychisch extrem kranken, gewaltbereiten Nachbarn, dem ich nie etwas tat, zumindest nicht wissentlich (rechts von mir, wenn man Richtung meiner Haustür sieht) singen. Und das wird so geduldet. Ein Asozialenviertel, anders kann man es nicht sagen. Übrigens: Das ist nicht der einzige Briefkasten, der so aussieht. Wer mir nicht glaubt, soll mal durch die Andernacher Altstadt gehen und sich selbst überzeugen.

Ganz nett war auch das Schild, dass eine weit entfernte Nachbarin an ihre Filiale hing, vor ca. einem halben Jahr. Darauf stand, dass die Leute bitte doch nicht mehr an ihre Haustüre urinieren mögen, da Uringeruch am Morgen nicht sonderlich einladend wirkt. So weit ist es hier. Kein Einzelfall. Ich habe hier bereits zwei Urnierer gesehen, die an die Häuserwände pissen. Auch da wird nichts getan. Wo sind unsere Bürgermeister?

 

Update 8 - 05.01.2011

Nun muss ich ja sagen, dass es absolut nervt, den Briefkasten jeden Freitag abzuschrauben, früh morgens am Samstag wieder anzuschrauben, um ihn dann am Nachmittag wieder abzuschrauben und Montag wieder anzubringen.

Doch langsam scheint ein wenig Fahrt in die Sache zu kommen, denn: die Polizei hat sich tatsächlich gemeldet. Den Brief habe ich mal verlinkt, er gibt Hoffnung. Strafanzeige gegen Unbekannt wurde auch gestellt. Das wird vermutlich zwar keinem Zweck außer dem Arbeitsaufwand dienen, doch irgendwo muss man ja anfangen. Aber die meisten Strafanzeigen gegen Unbekannt verlaufen sich ja leider im Sande. Warten wir mal ab.

Die Frage ist, wie es möglich ist, den/die Täter zu überführen. Vielleicht hat einer von Euch Ideen?

Update 9 - 02.02.2011

Das Verfahren nach der Suche des/der Unbekannten wurde eingestellt. Schade, aber die Suche nach der Nadel im Heuhaufen gestaltet sich zumeist als schwierig und wenig Erfolg versprechend. Wäre es so, dass das alles damit auch ein Ende hätte, wäre es tollerierbar, aber leider ist das Gegenteil die bittere Realtität.

Letztes Wochenende ging es wieder richtig rund. Einer meiner Nachbarn kam heute auf mich zu und meinte, dass dieses Mal sogar die Polizei da gewesen ist. Naja, mein Briefkasten war abmontiert (wie ja jedes Wochenende). Wie sich herausstellte, nicht umsonst. Denn abgesehen davon, dass auf meine Haustür gespukt wurde (und es ist ekelhaft und erniedrigend, das wegmachen zu müssen), wurden wieder einige weitere Briefkästen eingeschlagen, groß Party gemacht und auch kaputte Bierflaschen flogen wieder zerbrochen über den Boden.

Was soll man dazu noch sagen? Ich verstehe nicht, warum diese Partys jetzt nicht vollständig verboten werden. Es hat ja keinen Zweck. Mit mir geredet wurde bisher auch nicht und gemeldet haben sich die werten Bürgermeister auch nicht mehr. Man muss letztlich Angst haben. Wer weiss, was noch kommt, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist? Trauriges Andernach, wo die Asozialen gefördert werden. Mein Entschluss steht fest, auch wenn ich noch keinen Plan habe: Umzug. Denn dieses Gesocks muss man sich nicht wirklich antun.

Update 10 - 12.02.2011

Nur als kleines Update: als ich neulich hier die Straßen entlang ging, habe ich ein Ladenlokal gesehen, dessen Schaufenster mit Kot beschmiert waren. Somit habe ich es wohl noch gut erwischt. Man kann Andernach (zumindest dieses Viertel) nur als asozialen Abgrund bezeichnen.

Update 11 - 12.08.2012

Mittlerweile wurde mir noch einmal der Briefkasten sowie einmal die Rollade eingeschlagen. Ihr habt gewonnen, es ist beschlossen, dass ich aus dieser asozialen Stadt ausziehe. Ist nur noch eine Frage der Zeit. Nie wieder Andernach.

Update 12 - 09.02.2013

Es ist vollbracht. Vor ca. zwei Monaten bin ich ausgezogen und Fakt ist: nie wieder Andernach, die Stadt der Assis.

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