DHL oder: Die Höllenlieferer [Update 1: 16.04.2010]

Die Post, wie man sie kennt

Von Thorsten Geppert am 15.04.2010, geändert 03.06.2011 (5276 Aufrufe).

Es geht Richtung Sommer und, wie das immer so ist, brauchte ich neue Klamotten. Da ich diesmal keine Lust hatte, durch die Gegend zu streifen, wollte ich den bequemen Weg des Online-Shoppings ausprobieren. Ich suchte mir einen Online-Händler aus, warf alles, was mir gefiel, in den Warenkorb und klickte auf "weiter". Dann bot mir das Warenhaus die unterschiedlichsten Versender an. Ich entschied mich, wenn auch mit ein klein wenig Bauchweh, für DHL.

Da nicht alle Artikel lieferbar waren, wurde der Versand von fünf Artikeln auf vier Pakete aufgeteilt (das ist nochmal eine Geschichte für sich, wie dumm ist so ein Warenhaus eigentlich?). Zwei Tage später kam das erste Paket an.

Am nächsten Tag lag ein Zettel vom Zusteller in meinem Briefkasten, er hätte zwei weitere Pakete für mich bei Frau Grauch (alle Namen hier wurden verfremdet) in der Kirchstraße 10 abgegeben. Also bin ich hingedackelt. Das Haus gab es wirklich, nur dass dort keine Frau Grauch wohnte. Die nette Dame, die mir ein wenig pampig die Tür aufmachte, meinte, dass ihr Haus mal die Hausnummer 6 war, und das von Frau Grauch, die ja eigentlich nicht Grauch heißt, sondern Frauch, die Hausnummer 10 hatte und irgendwie irgendwann getauscht wurde. Dass ich sagte, es sei kein F(rauch), sondern ein G(rauch), wurde abgetan - es ist ein F.

Ich bin dann frohen Mutes zu Frau Frauch gedackelt, die mir mürrisch die Tür aufmachte und auf meine Anfrage meinte, sie habe weder Zusteller noch jemals ein Paket für mich gesehen. Natürlich habe ich mich bedankt und bin zur Postfiliale in Andernach gelaufen.

Die Dame dort meinte auch, es sei Frau Frauch, nicht Frau Grauch. Ob ich denn schonmal recherchiert hätte. Natürlich. Sie wollte sich drum kümmern, hat sich meine Telefonnummer geben lassen und einiges aufgeschrieben. Das war letzte Woche.

Diese Woche - und zwar gestern - war wieder ein solcher Schein in meinem Briefkasten. Da wäre ein Paket für mich. In Weißenthurm. Mit dem Auto etwas weniger als sieben Kilometer von meinem Wohnort. Idioten - dachte ich - wir haben hier in Andernach doch eine Poststelle, warum jetzt in Weißenthurm?

Ich habe mich also in's Auto gesetzt und bin heute nach Weißenthurm gefahren. Erstaunlich, dass da kein Paket für mich abgegeben wurde. Ich solle mich doch bitte bei DHL unter einer mitgegebenen Rufnummer beschweren und in Andernach nochmal nachfragen.

Also wieder ab nach Andernach. Ich drückte der Postangestellten mein Kärtchen in die Hand und sie holte - oh Wunder - mein Paket. Als ich dann fragte, warum denn auf der Karte Weißenthurm und nicht Andernach stehe, meinte sie: ja, da vertun sich manchmal die Zusteller. Aber ich hätte wissen müssen, dass ich hier nach Andernach kommen muss und nicht nach Weißenthurm fahren müsse. Als ich sarkastisch meinte: ja, ok, dann ist das ja meine Schuld, dass ich vierzehn Kilometer durch die Gegend fuhr, meinte sie: ja, das ist so, ich hätte das wissen müssen.

Ich fragte dann, was denn mit meinen zwei Paketen sei. Sie wusste nichts davon, weil es ja eine Kollegin bearbeitet hatte. Auch hatte sie im Nebenraum, in den sie dann ging, nichts von meinem Gesuch gefunden, auch nicht nach einem langen Zungenkuss!!! mit ihrem Mann, den sie da öffentlich praktizierte. Sie meinte, der Zusteller hat es sicher mit und auch er muss sich darum kümmern. Ob ich mich denn schonmal drum gekümmert hätte? Ich meinte, ich bin mir nicht sicher, ob es Grauch oder Frauch heißt, erwiderte sie: das ist definitiv ein F. Ich meinte, ja, mit F wohnt da auch eine, zwar woanders, aber immerhin, aber niemand hat meine Pakete. Dumm gelaufen.

Ich fragte: und jetzt? Klar, da draußen, im Flur, steht ein Telefon mit nur einem Knopf. Ich solle den Knopf drücken. Ich meinte, ich hätte schon eine Nummer, wo ich mich beschweren kann, ich kann das auch nachher von zu Hause aus tun, und sie meinte: nein, da wird keine Nummer gewählt. Da kommt auch direkt ein Mensch am anderen Ende.

Ich ging also raus, murmelte beim Vorbeigehen an den anderen "Kunden" noch, dass hoffentlich der Laden explodiert, wenn ich den Knopf drücke.

Als ich dann den Knopf drückte, wurde eine Nummer automatisch gewählt (tüt tüt tüt tütütütüt tüt tüt). Ein Computer nahm ab. Manchmal wünschte ich, ich dürfte echt dumme Menschen einfach abknallen. Zum Glück kam schnell ein Herr ans Telefon, der sich - und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen - mit "Mein Name ist Herr Doktor Müller" meldete. Der versprach mir, sich um alles zu kümmern und entschuldigte sich zwei mal für seine Kollegen (die arme Sau, wenn der Typ einen Doktor-Titel hat und jetzt Kundenbeschwerden bearbeitet und zusätzlich noch solche Honks als Kollegen hat, ist er stark gefährdet) .

Ich habe mich bedankt. Klar, was soll man sonst machen?

Wer hätte denken können, dass die Geschichte heute aber ein Ende nimmt? Niemand!

Als ich gerade nach Hause kam, kam meine Nachbarin mit meinen zwei Paketen an. Ich meinte, wo sie denn wohne. Sie meinte, in der Kirchstraße 24. Ich dachte, frag' mal nach ihrem Namen.

Vielen Dank, Frau Grauch, dass Sie mir die Pakete vorbeigebracht haben. Hätte ich gewusst, dass sie bei Ihnen sind, hätte ich sie natürlich selbst abgeholt. Also nochmal: vielen Dank für Ihre Mühe.

Frau Grauch

[Update 1: 16.04.2010]

Heute rief tatsächlich jemand von DHL an. Anscheined kümmert es DHL doch, dass die Kunden zufrieden sind. Die armen Schweine des Supports (nicht böse gemeint) müssen das ausbaden, was ihr Kollegen versauen. Sie müssen sich vor allem für deren Inkompetenzen entschuldigen, obgleich sie mit der Sache rein gar nichts zu tun haben. Das finde ich ein wenig schade, denn eigentlich sollte sich der entschuldigen, der es verbockt hat, was in dem Fall der Zusteller war.

Ich möchte mal ein Lob für alle Supporter auf dieser Welt aussprechen, die die Schuld auf sich nehmen (müssen) und versuchen, die Fehler ihrer Kollegen zu korrigieren, ohne irgendwann Amok zu laufen.

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