Meine Erfahrungen mit Cyclotron [Update 4 - 11.02.2012]

Peinlicher geht's kaum

Von Thorsten Geppert am 10.01.2012, geändert 20.08.2013 (14754 Aufrufe).

In den Themen Hardware, Netzwerke und Software habe ich meinen eigenen Stil. Ich arbeite jetzt seit fast neun Jahren in einem Unternehmen, schreibe dort Software und betreue das Netzwerk, das ich geplant und mit aufgebaut habe.

Da wir alle (nett und sinnvoll gesagt) paranoid sind, was Datensicherung sowie Ausfallsicherheit angeht, gehe ich und auch alle, mit denen ich arbeite, das Thema energisch an. Neben verschiedenen Servern mit verschiedenen Aufgaben, gibt es zwei baugleiche, recht dicke Maschinen, die dazu dienen, die Datenhaltung sowie generelle Netzwerkanmeldungen und noch ein paar Dinge zu erledigen. Dazu gesellt sich noch ein kleiner HP ProLiant MicroServ N40L, der räumlich über weite Strecke getrennt ist, sollte mal ein Feuer ausbrechen. Die drei Server laufen in einem CARP-Verbund unter FreeBSD und der Master verteilt fleißig Datei- sowie Konfigurationsänderungen an die beiden Backup-Server. Geht der Master offline, übernimmt sofort der erste Backup-Server.
Das der kleine N40L nicht dazu in der Lage ist, das Netzwerk lange aufrecht zu erhalten, ist mir durchaus bewußt. Allerdings ist er durch die räumliche Trennung und den nahezu selben Datenbestand wie die anderen beiden Server in der Lage, zumindest für eine kurze Übergangszeit einzuspringen, sollte doch mal ein Feuer ausbrechen.

Um die Datensicherung durchzuführen, haben wir einen weiteren N40L angeschafft. Wer das Gerät nicht kennt: es handelt sich um einen kleinen Würfel, ähnlich einem NAS, der Firma Hewlett Packard. Er ist mit einem kleinen Dual-Core AMD Prozessor mit 1,5 GHz ausgestattet und wir haben ihm acht Gigabytes Speicher verpasst. Der Server ist nur semiprofessionell, unterstützt weder Hotplug von Haus aus noch gepuferten ECC RAM. Er hat ein Bay für vier Festplatten, an das man vorne durch eine kleine Tür gelangt. Die Backplane hat einen Mini-SAS-Anschluß. Zusätzlich hat das Gerät noch E-SATA, einen freien internen SATA-Port sowie zwei USB-2.0-Ports hinten, einen internen und vier vorne. In den 5,25"-Schacht kann man einen Brenner einbauen.

Ich habe eine Adaptec S-ATA-Karte eingebaut, an der zwei SSDs mit 8GB in einem GEOM_MIRROR gespiegelt sind und auf denen nur das FreeBSD drauf ist. Des Weiteren wollte ich, da wir nächtlich Backups auf Festplatten machen, das Bay umrüsten, damit es hotplugfähig wird. Da ebenfalls noch ein Streamer (Quantum SuperLoader 3 LTO-5) dran hängt, entschieden wir uns für die HP Smart Array P212 Karte, die von dem Streamer offiziell unterstützt wird. Der Server hat einen PCIe x16-Port, die Karte ist eine x8er. Die Kompatibilität ist hier also keineswegs gewährleistet, man muss es halt auspbrobieren. Fakt allerdings ist, dass ich im Internet mehrere Beiträge gefunden habe, in denen diese Karte mit dem Server perfekt zusammenarbeitet. Damit sollte es also kein Problem sein, die Platten hotplugfähig zu machen und den Streamer anzusteuern. Der CISS-Treiber von FreeBSD, den die Karte nutzt, ist noch nicht komplett ausgereift und man ist so leider nicht in der Lage, den Wechsler anzusteuern. Das Schreiben auf den Streamer mittels beispielsweise tar war aber problemlos möglich. Für das Wechseln der Bänder habe ich ein C-Programm gehackt, dass das Websitebackend des SuperLoaders anspricht. Damit können wir recht zuverlässig nachsehen, welche Bänder gerade wo sind und sie von den Slots ins Laufwerk schieben oder, von wo auch immer, auswerfen. Soweit, so gut.

An diese Karte zu gelangen, war aber nicht einfach. Wie gesagt, sind Backups bei uns ein wichtiges Thema und da wollte ich die Karte schnell haben, da ich ja noch Scripte zum Sichern schreiben muss. Um es kurz zu machen: Cyclotron waren die einzigen, die die Karte schnell liefern konnten. Und wir schlugen zu.

Die Karte kam, tat tadellos ihren Dienst, Hotplugging war möglich und lief extrem zuverlässig. FreeBSD hat direkt erkannt, dass eine Platte gezogen wurde und das eine neue eingesteckt wurde (natürlich weiß ich, dass dies nicht die optimale Lösung ist, doch die gibt es nicht, wie ich sie brauche (geli-Verschlüsselung, FreeBSD, Ansteuerung vom Streamer, RAID, usw.)). Doch sie hatte ein Problem. Das BIOS der Karte lief unfassbar instabil. Sie stürzte am laufenden Band im BIOS ab oder startete in einer Endlosschleife neu. Da die Karte aber ansonsten einwandfrei lief, dachte ich, dass es sich um einen Hardware-Fehler oder einen Firmwarefehler handelt (hatten wir auch schon alles mit Adaptec-Karten). Eine neue Firmware gabe es nicht. Also: Kollegen drüber schauen lassen, Probleme ließen sich reproduzieren. Wir beschlossen, die Garantie in Anspruch zu nehmen und die Karte einzusenden.

Ab jetzt wird es spannend. Später noch wird es absurd.

Also riefen wir bei HP an, die uns aber sagten, wir müssen uns an den Händler, in dem Fall Cyclotron, wenden.
Das tat unsere Azubine. Laut ihrer Aussage wurde sie vom Supporter extrem unfreundlich behandelt und abgewiesen. Nach einem weiteren Telefonat ihrerseits mit Cyclotron bekamen wir aber einen RMA-Schein. Vollständig ausgefüllt und so verpackt, wie wir die Karte annahmen, schickten wir sie zurück.

Nun rief der Vertriebsleiter bei mir an und wollte meinen Kollegen, der gerade in Urlaub war, sprechen. Ich teilte ihm mit, dass auch ich mit ihm reden könnte. Er meinte, er hätte mit einer Frau mit russischem Akzent gesprochen, die ihm eine Karte eingeschickt hatte. Die Frau ist zufällig Ukrainerin und unsere Azubine. Er meinte, dass das keine Art wäre, Cyclotron die Karte ohne Umverpackung zuzusenden. Nachdem ich mich dafür mehrfach entschuldigte, ging es zum nächsten Punkt über. Ich möchte da aber mal kurz innehalten, denn natürlich sprach ich mit der Azubine wegen der Umverpackung. Sie sagte mir, dass sie die Karte genauso zurückgeschickt hatte, wie wir sie bekamen. Ohne Umverpackung. Als nächstes wurde sich darüber in bereits einem etwas unfreundlicheren Ton angemerkt, dass weder RMA noch Rechnungskopie noch Fehlerbeschreibung vorhanden sei. Klar, wenn man den Karton nicht auspackt, kann man die auch nur schwerlich finden. Nach einer Minute hatte er aber alles. Man merkte, dass er Streit suchte und den RMA ablehnen wollte.

Nun sprach er mich wieder darauf an, warum wir die Karte nicht zu HP geschickt hätten, denn diese wären dafür verantwortlich. Ging ja nicht, da HP den Händler vorschob.

Dann behauptete der gute Vertriebsleiter, dass die Garantieleistung der Karte über einen Server von HP abgewickelt werden muss. Ich fragte natürlich, was wäre, wenn die Karte in einem Gerät eines anderen Herstellers verbaut wäre. Darauf wusste er keine Antwort und trotz noch einer weiteren Nachfrage, kam auch nichts. Ich bestätigte dann aber, dass ich die Karte glücklicherweise in einen HP-Server eingebaut hatte und gab ihm die Seriennummer.
Ich wurde daraufhin gefragt, um welches Modell es sich handelte. Klar, ein N40L. Der Vertriebsleiter schaltete mich auf laut, damit der Supporter auch was sagen konnte.

Es ging los damit, dass die Karte für den Server nicht freigegeben sei und nicht laufe. Das wurde gebetsmühlenartig wiederholt. Nach einigen Recherchen zu Hause bei HP in den Unterlagen, Websites und Datenblättern musste ich aber feststellen, dass das so nicht richtig ist. Tatsächlich gibt es eine Kompatibilitätsliste von HP-Servern, die auf jeden Fall mit der Karte laufen. Allerdings gibt es nirgends (zumindest habe ich sie nicht gefunden) die Aussage, dass die Karte nur mit HP-Servern läuft (die Spezifikationen sagen auch was völlig anderes), noch, dass sie explizit nicht mit dem N40L läuft. Der Supporter war der Meinung, dass er anscheinend die Karte nicht testen müsse, da sie ohnehin liefe, wenn sie nur in einen Server der Kompatibilitätsliste gesteckt würde. Meine Anmerkungen dazu, dass die Karte sehr wohl prima bei uns läuft, nur das BIOS abraucht, wurde abgewickelt und der Ton des Supporters ging echt unter die Grütellinie und war vollkommen unangebracht.
Was der Unsinn denn solle, in einen 150 Euro Server eine solche Karte zu stecken. Das mache keinen Sinn. Da der gute Mensch mich aber nicht nach dem Sinn fragte, konnte ich ihm die Situation auch leider nicht erklären, aber: bei der P212 handelt es sich um eine Billigkarte für 200 Euro, die ich niemals in einem wichtigen Server einsetzen würde, eher was für zu Hause oder eben für so kleine Dinge, die ich mit dem N40L vorhatte. Die Karte hat nichtmal eine Pufferbatterie und kommt nichtmal ansatzweise für den professionellen Servereinsatz in Frage. Allerdings noch ein Aber: für den Zweck, den ich mir ausgedacht habe, ist sie ideal. Billig-Karte + Billig-Server = Billig, aber sehr gutes Backupsystem.
Da ich mich ungerne beleidigen lasse, der Tonfalle machte hier die Musik, sagte ich natürlich, er hat den Sinn nicht in Frage zu stellen, wenn er den Nutzen nicht kennt und er soll das bitte mir überlassen, was ich für sinnvoll und unsinnvoll erachte. Das fand der Supporter gar nicht lustig und wurde immer pampiger.
Der Vertriebsleiter fragte mich dann, was denn mit mir lossei und warum ich pampig werden würde, und nur knapp konnte ich mir ein "der Typ ist ein Arschloch" verkneifen. Der Vertriebsleiter meinte noch, dass mich keiner pampig angemacht hätte, worauf ich erwiderte, dass, nur weil er das meint, es nicht impliziert, dass es gerade nicht so war.
Mir wurde die Sache zu bunt und ich habe eigentlich überhaupt keine Zeit, mich mit irgendwelchen Leuten zu streiten, also sagte ich bestimmt: "Bitte prüfen Sie jetzt die Karte, wenn sie bei Ihnen nicht die BIOS-Fehler hat, schicken Sie sie auf unsere Kosten zurück, ansonsten sorgen Sie für Ersatz." und legte auf.

Jetzt wird es absurd.

Wie ich heute erfuhr, versuchte jetzt Cyclotron beharrlich unsere Geschäftsleitung zu erreichen, um sich über mich zu beschweren. Sie wollten auch nicht mit meiner direkten Cheffin zuerst sprechen, sondern wirklich die Unternehmer unserer Firma zu bekommen. Nachdem das aus Zeitgründen (wir alle haben besseres zu tun, als uns mit solchen Menschen zu unterhalten) nicht klappte und die Penetration in unserer Zentrale unerträglich wurde, schrieben sie eine E-Mail an meine Cheffin.

Wir hatten heute mit der Abteilung ein Gespräch mit ihr, in dem wir die ganze Situation nochmal besprochen haben und sie Cyclotron zurückrufen konnte. Was daraus geworden ist, weiß ich bisher noch nicht.

Aber, liebe Cyclotronen, die ihr euch lieber CyKLOtron nennen solltet, was glaubt ihr, damit zu erreichen? Das ich für eure Lügen bestraft werde, eine Abmahnung oder gar die Kündigung bekomme? Durchaus lächerliches unprofessionelles Verhalten. Fakt ist eher, dass die Leute, die ihr penetriert, zusätzlich zu mir einen Hals auf euch bekommen und auch Mundpropaganda oder Blogartikel wie dieser eine gewisse Wirkung haben.

Da ich auch gerne Namen erwähne, Inhaber ist Torsten Schild, die restlichen Namen weiß ich jetzt leider nicht, werde ich aber noch ausgraben und ebenfalls veröffentlichen.

Mein Fazit: ein inkompetenter Drecksladen, der zwar schnell geliefert hat, aber sozial inkompetente Mitarbeiter führt sowie technisch nicht mal in der Lage ist, zu versuchen, den Fehler nachzuvollziehen. Man ist also aufgeschmissen, wenn man ein Problem mit einem von denen verkauften Produkt hat. Vielleicht wurde die Karte ja beim Versand zu uns beschädigt, da sie keine Umverpackung hatte? Man weiß es nicht.

Achso, mir fällt noch ein, dass ich unsere Azubine damit beauftragte, mal nach dem Stand der Karte zu fragen. Bis heute wissen wir nichts über das Ergebnis, außer, dass die mit mir nicht mehr sprechen wollen. Also mittels Fäkalsprache: kein Arsch in der Hose.

Getreu dem Motto: Lieber woanders kaufen.

[Update 1 - 13.01.2012]

Bis jetzt gibt es nichts neues. Allerdings wurde uns weder die angeblich funktionierende Karte noch ein Ersatz zurückgeschickt oder das Geld zurücküberwiesen. Die Karte ist natürlich für uns äußerst wichtig, so dass ich sie vermutlich nächste Woche bei einem kompetenten Händler bestellen muss.

[Update 2 - 27.01.2012]

Lustig. Die Karte wurde uns immer noch nicht zurückgeschickt. Geld zurück bekommen haben wir auch noch nicht. Aber: wir haben die gleiche Karte woanders gekauft. Den HP Smart Array P212. Und wir haben die Karte in den gleichen Server, den HP ProLiant MicroServer N40L, eingebaut. Sie funktioniert einwandfrei. Sie stürzt im BIOS nicht ab, erkennt alle Festplatten, das Hot-Plugging funktioniert und der Streamer/Wechsler wird auch erkannt.

[Update 3 - 11.02.2012]

Immer noch nichts neues. Allerdings eine spannende Sache. Anscheinend grast die Yasni GmbH alle paar Minuten diesen Beitrag hier ab, weswegen die Lesezahl so hoch ist. Warum sie das tun, ist mir allerdings nicht klar.

[Update 4 - 11.02.2012]

Ich habe jetzt die Yasni GmbH gesperrt. Was geht mit denen?

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